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Discovery

Was wir in unseren ersten Discovery-Gesprächen gelernt haben

Discovery-Gespräch mit einem Tierheim

Wir sind mit einer einfachen Frage gestartet: Was sind die größten Herausforderungen im Tierheim-Alltag? Was wir erwartet haben — viele unterschiedliche Antworten, je nach Größe, Träger und Region. Was wir tatsächlich gehört haben — dieselben fünf Themen, Gespräch für Gespräch.

Das ist kein Zufall. Es ist ein Systemproblem.

1. Das Problem ist nicht Technik — es ist Fragmentierung

Kein Tierheim, mit dem wir gesprochen haben, leidet an einem Mangel an Tools. Im Gegenteil: Es gibt Excel-Tabellen, WhatsApp-Gruppen, handgeschriebene Karteikarten, ein Buchungssystem aus dem Jahr 2009 und vielleicht noch eine Datenbank, die niemand mehr versteht. Das eigentliche Problem ist, dass nichts davon miteinander spricht.

Eine Mitarbeiterin beschrieb es so:

„Ich habe die Daten zu jedem Tier an mindestens drei verschiedenen Orten. Wenn ich einem Interessenten schnell Auskunft geben will, muss ich erst suchen."

Dieses Zitat hätten wir aus jedem zweiten Gespräch ziehen können. Die Fragmentierung kostet täglich Zeit — und sie erzeugt Fehler, die vermeidbar wären.

2. Jedes Tierheim hat seine eigenen Workarounds

Was uns überrascht hat: Die Kreativität, mit der Teams fehlende Infrastruktur kompensieren. Farbcodes auf Karteikarten, Whatsapp-Gruppen für Notfälle, selbst gebastelte Formulare in Google Docs. Diese Workarounds funktionieren — irgendwie. Aber sie sind abhängig von Einzelpersonen, die das System kennen.

  • Wenn die Person, die das Excel kennt, im Urlaub ist, steht alles still.
  • Wenn jemand das Team verlässt, geht implizites Wissen verloren.
  • Neue Mitarbeitende brauchen Wochen, um den Überblick zu bekommen.

Das ist kein Versagen der Teams — es ist das erwartbare Ergebnis, wenn man professionelle Arbeit mit Consumer-Tools machen muss.

3. Zeit ist die knappste Ressource — und sie geht ans Falsche

In vielen Gesprächen haben wir gefragt: „Wenn ihr fünf Stunden pro Woche zurückbekämt — was würdet ihr damit machen?" Die Antworten waren konsistent: mehr Zeit bei den Tieren, bessere Begleitung von Interessenten, strukturiertere Nachsorge nach der Adoption.

Stattdessen fließt diese Zeit in Datenpflege, Doppeleingaben, die Suche nach Dokumenten und die Beantwortung von Anfragen, die ein gutes System automatisch beantworten könnte.

Das ist das eigentliche Versprechen von Projekt Nest: nicht Digitalisierung um der Digitalisierung willen — sondern Zeit zurückgewinnen für das, was zählt.

4. Nach der Vermittlung bricht strukturierter Kontakt ab

Das hat uns am meisten überrascht. Sobald ein Tier das Heim verlässt, ist die Verbindung meist gekappt. Kein strukturiertes Follow-up, keine standardisierte Nachsorge, keine Möglichkeit für die Adoptierenden, unkompliziert Fragen zu stellen.

Dabei entsteht genau in den ersten Wochen nach der Übergabe der größte Bedarf — und gleichzeitig die größte Chance, Adoptionen nachhaltig zu machen. Mehrere Tierheime erzählten uns von Rückgaben, die mit etwas mehr Begleitung vermeidbar gewesen wären.

Was das für Projekt Nest bedeutet

Diese Erkenntnisse haben unsere Ausrichtung konkret beeinflusst. Wir bauen keine Insellösung für ein Einzelproblem. Wir bauen eine Plattform, die die fragmentierten Teile des Tierheim-Alltags zusammenbringt — und dabei so nah wie möglich an den tatsächlichen Abläufen bleibt.

Das geht nur mit Tierheimen, nicht für sie. Deshalb sind unsere Discovery-Gespräche keine Recherche — sie sind der Anfang einer echten Zusammenarbeit.

Wenn ihr Interesse habt, Teil dieses Prozesses zu werden: Meldet euch. Wir hören zu.